Urner Ambris Fans verabschieden ihre Identifikationsfigur

Urner Ambris Fans verabschieden ihre Identifikationsfigur

«Urner Ambris Fans verabschieden ihre Identifikationsfigur»


Jesse Zgraggen verlässt nach vier Saisons den HCAP und spielt neu für den EV Zug. Der Donatoren-Club dc-hcap und die Sponsoring Gruppe "Jesse " entliessen den Kanada-Urner mit einer emotionalen Abschiedsfeier.

Abschied nehmen fällt schwer. Immer oder fast meistens, aber Abschied nehmen ist stets mit vielen Emotionen verbunden. Am vergangenen Montag im Restaurant Neuland durften rund 60 Urner Ambri Fans, Donatoren und Sponsoren Emotionen zeigen. Selbst Ständerat Beppi Dittli, selbst begeisternder Ambri Sympathisant liess es sich nicht nehmen kurz vorbei zu schauen. Ambri Verteidiger Jesse Zgraggen, während vier Saisons zu Bollwerk der Verteidigung der Leventiner geworden, wurde vom Donatoren-Club dc-hcap und der Sponsoring Gruppe "Jesse", die eigens für den 25-jähriger Kanada-Urner ins Leben gerufen wurde gebührlich verabschiedet.

Bevor sich Jesse Zgraggen in rund zwei Wochen in Richtung Kanada zum Heimaturlaub verabschiedet, nahm sich der stämmige Verteidiger persönlich Zeit um seinem Umfeld Danke zu sagen. Denn der Hockeyprofi hatte noch einiges zu erledigen bevor es nach Hause ging. Der Kabinenspind in der Valascia wurde geräumt, die Wohnung in Bellinzona musste aufgelöst werden, in Zug ein neues Heim besichtigt werden. Die beiden Moderatoren Beat Musch und Heinz Imhof, welche gekonnt und witzig durch den Abend führten, liessen sich jedoch nur teilweise von den Emotionen anstecken. Dabei hätte vor allem Beat Musch allen Grund dazu gehabt. Er war einer der Gründer und langjähriger Präsident des Donatoren-Clubs dem es zu verdanken ist, dass Jesse Zgraggen überhaupt in der Schweiz und schlussendlich beim HCAP gelandet war. Schon Jahre zuvor war Beat Musch mit Jesse Zgraggen und seiner Familie aus Lethbridge in regem Kontakt. Sein älterer Bruder Michael und auch Jesse waren schon als Teenies zum Ende der Schulferien in diversen Probetrainings bei Ambri. Nach der obligatorischen Schulzeit setzte Jesse Zgraggen voll auf das Eishockey. Verschiedene Junioren-Clubs in halb Kanada, waren Lehr- und Wanderjahre, die während der langen Saison bis nach Vancouver weit weg von zuhause bei Gastfamilien ein zweites Daheim ermöglichten. Mit 17 debütierte er in der Western Hockey League, der höchsten kanadischen Juniorenliga und kam so den Radar, von Hockey-Clubs aus der Schweiz, das nicht zuletzt wegen seiner Doppelbürgerschaft und einem vorhandenen Schweizer Pass. Schnell wurde ein Agent gefunden der sich an die Arbeit machte und Angebote sortierte. Der junge Verteidiger Haudegen entschied sich für seinen Profivertrag dabei gegen den HC Genf-Servette und für den HCAP.

From Lethbridge to Ambri – next Stopp Zug

Erneut kam Beat Musch ins Spiel und als der Wechsel von Jesse Zgraggen konkret wurde, hatten die Donatoren dem HCAP eine finanzielle Mithilfe zugesichert. Dazu gründeten Beat Musch, Heinz Imhof und dc-hcap Präsident Michael Gisler eigens die Gruppe "Jesse" mit dem Slogan „ From Lethbridge to Ambri“ und beteiligte sich an der Mitfinanzierung der ersten Profi-Verträge von Jesse Zgraggen. Die Gruppe Jesse fand schnell gleichgesinnte unterstützte den jungen Eishockey-Profi, 8000 km von seinem Elternhaus weg, in allen Belangen. Organisierte ihm Wohnung, Auto und mit der besten Freundin seiner Mutter so etwas wie eine Nanny. Der Donatoren-Club rief speziell für seine Mitglieder sehr erfolgreich auch mehrmals ein Dinner mit dem Ambri Verteidiger mit Urner Wurzeln ins Leben. Der 25-Jährige Kanadier mit Schweizer Pass spielte vier Saisons in der Leventina und entwickelte sich vor allem unter den aktuellen Trainer Luca Cereda zu einem wichtigen Abwehrspieler mit guten offensiven Qualitäten. In der abgelaufenen Saison schaffte es der Kanada Urner in 60 Partien auf 6 Tore und 11 Assist. Spielte in der ersten Verteidigung mit Landsmann Nick Plastino und wurde nicht nur im Boxplay sondern auch öfters im Powerplay eingesetzt. Dann Ende November 2017, ein herber Schlag für alle Urner Ambri Fans. Die Iden¬ti¬fi¬ka¬ti¬ons¬fi¬gur und „Einä vo is“ wechselt für drei Jahre zum EV Zug. Wieder die Zuger, dachten sich viele Fans. Nehmen erneut Ambri einen guten Spieler weg. Nach Oleg Petrov, Paul Di Pietro und wie sie alle hiessen, wiedermal. Frustrierend, aber so ist halt der Sport, muss man ein weiteres Mal eingestehen. Doch nun Monate nach der Bekanntgabe seines Abgangs haben sich die Wogen auf der Nordseite des Gotthards wieder geglättet. Man mag es ihm auch gönnen. Ein weiterer Karriereschritt des 25-Jährigen. „Die besseren sportlichen Perspektiven, nicht das Geld haben am Schluss den Ausschlag gegeben“ sagt Jesse Zgraggen zu Beginn seines Rückblicks auf vier wundervolle Jahre in Ambri. Dass in Zug mit Harold Kreis jener Trainer mit dem Jesse Zgraggen den Transfer besprochen hatte schon wieder weg ist, stört ihn nicht. Es müssen jetzt so wieso alle bei Null anfangen, sich jeder beim Coach mit viel Einsatz empfehlen, lautet seine Devise. Jesse Zgraggen bedankte sich dann auch für die grossartige Unterstützung seitens der Urner Ambri-Fans, des Donatoren-Clubs, dem er viel zu verdanken hat und natürlich seiner Familie in den vergangenen vier Jahren. Die anwesenden Mitglieder hatten am Schluss die Möglichkeit ein spezielles Ambri Trikot mit der Nummer 58 und Hockeystöcke von Jesse Zgraggen zu ersteigern. Schlusspunkt war die Übergabe einer Fahne mit Unterschriften aller Beteiligen welche wohl an die Fahnenstange von Jesses neuem Haus in Lethbridge kommt. Umrahmt wurde die Verabschiedung durch ein sensationelles Apéro Riche von Patrik Bucher und seiner Neuland-Crew sowie Dessertkreationen von der Bäckerei Schillig welche im Verlaufe des Abends präsentiert wurden. Garantiert schielt der eine oder andere Urner Ambri Fan in den nächsten Monaten öfters nach Zug und verfolgt den weiteren Karrieren Verlauf des einzigen Urners in der höchsten Eishockey Liga der Schweiz. Er ist und bleibt halt "Einä vo is".

 Text & Fotos: André Sägesser

Post A Comment

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.